Worldformator 2018, Audio und Video Installation, Schredder, Endlospapier 3-lagig, Weltkarte-Monotypie Druck auf Papier, Algorithmus (0/1) mit Stempel auf Papier. Video 10:19, Beamer, Audio mechanische Geräusche des Schredder gemischt mit elektronischen Klängen, Schredder: 83 x 65 x 43 cm.

Die Installation unter dem Titel „Worldformator“ der Winterthurer Künstlerin Mia Diener lotet das Spannungsfeld aus, das sich zwischen den entgegengesetzten Polen der manuellen Arbeit und der virtuellen Realität einerseits, andererseits zwischen produktiver Fleissarbeit und Vernichtung aufspannt. In Serie druckt sie eine Weltkarte auf Papier – darüber die Zahlen Null und Eins. Ihre Hände mutieren während der Arbeit zu mechanisch funktionierenden Werkzeugen, wobei die Polarität von Mensch und Maschine spielerisch hinterfragt wird. Ausserdem lässt sie die Grenzen zwischen Unikat und Massenprodukt allmählich verschwimmen. 

Die Serie aus Nullen und Einsen - also der binäre Code - dient als Grundlage für die Verarbeitung von digitalen Informationen auf Computern, zu Deutsch auf Rechnern. Mit Zahlen erfasst der Mensch die Dimensionen der Welt und er misst allem in dieser Welt eine Bedeutung oder einen Wert bei. Algorithmen steuern als mathematische Handlungsanweisungen unsere elektronische Kommunikation oder sie lotsen uns mittels Navigationsgeräten durch eine Stadt. Diener deutet mit dieser freien Serie von Zahlen sowohl die reale wie die virtuelle Welt zu einem individuellen Produkt um, dessen Sinn sich logischer Vereinnahmung entzieht. Diener lotst den Betrachter zahlentechnisch völlig frei durch eine spielerisch erdachte Welt. 

Während Logik und die Verarbeitung von binären Codes in einer virtuellen Welt angesiedelt sind, ist der Output von Computern und ihren Rechenoperationen oft ein realer Gegenstand. In Dieners Arbeit steht ein grosser Industrie-Schredder für die Vergänglichkeit all dessen, was der Mensch hervorbringt. Unter Getöse vernichtet die Maschine die Handarbeit. Der Lärm unterstreicht die brachiale Geste der Zerstörung. Doch bedeutet Vernichtung auch Verwandlung: Die Maschine spuckt das Endlospapier wieder aus und generiert aus den feinen Streifen ein zartfarbiges, dreidimensionales Gebilde. Darin sind die Gedanken und Aktionen der Künstlerin immer noch in Spuren vorhanden und harren einer erneuten Zusammensetzung im Auge des Betrachters. Text: Christina Peege

 © miadiener.ch

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